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Stille Engel

Hier ein kurzer Ausschnitt aus einer Video-Aufzeichnung:
(nur zu empfehlen mit ISDN oder DSL-Verbindung)

 

 
 

Die Stuttgarter Zeitung schreibt:

Schwarze Himmelsboten in blutrotem Licht

ESSLINGEN: "Stille Engel" entführen das Publikum lautstark in die Vergangenheit - Aufführung anlässlich des Stadtjubiläums

Stille Engel können auch schrill sein. Vor allem, wenn Stephanie Haas in blutrotes Licht getaucht mit blitzenden Augen in einer Kakophonie der Silben die sieben Plagen heraufbeschwört. Doch verschmilzt die Sängerin auch buchstäblich mit den romantischen Liedern eines Franz Schubert und stirbt unter Walgesängen vor dem Wasserturm den Liebestod der Isolde. Eine großartige Musiktheater-Performance begeistert das Publikum auf der Piazza im Dick.

Aufpeitschende Trommeln, dem Stampfen einer Maschine gleich, nähern sich aus dem Nirgendwo. Verträumt spielt der weiße Engel unter Wassergeplätscher mit der goldenen Kugel am Brunnen. Zart und sehnsuchtsvoll setzt Stephanie Haas, einfühlsam begleitet von Gunilde Cramer am Klavier, zu dem Lied "An der Quelle" von Franz Schubert an. Technikbegeisterung sowie Innerlichkeit und Naturverbundenheit spiegeln die Widersprüchlichkeit der Romantik wider.
"Stille Engel", so der Titel der Performance, wurde daher auch extra für das Stadtjubiläum "777 - 1802 - 2002", ausgerichtet vom Esslinger Kulturreferat, von Stephanie und Christoph Haas maßgeschneidert. Welcher Ort wäre wohl besser geeignet als das Areal des Industriedenkmals Dick?
"In des Gesanges Meer tauchen wir ein." Das Wasser im Tauchturm reflektiert das blaue Licht und die Stimme schwebt klagend untermalt von bedrohlichem Rauschen empor.
"Da halten die Engelein die Augen zu ", Haas schwankt bei dem Lied "Der Müller und der Bach" und kauert sich anschließend in den Lüftungsschacht. Walgesänge und ein Gong locken die Taucherin Susanne Kromer hervor. Schwerelos schwebt sie zu den Klängen von Richard Wagner im Wasser, während die Sängerin den Liebestod der Isolde stirbt.
Blutrotes Licht flammt auf. In blutbefleckten weißen Overalls trommelt martialisch die Percussion-Gruppe "Banda Maracatú" auf Mülltonnen, Treppengeländern und der Balustrade. Das Industriezeitalter ist angebrochen und die Messer- und Feilenfabrik Dick ist wieder auferstanden. Unter dem projizierten ehemaligen Werbeplakat der Firma lauscht mit gesenktem Kopf der stille Engel dem Choral aus der "Matthäuspassion" von Bach. Schrill kreischend, die Silben ausspuckend, beschwört Haas wie eine Furie die sieben Plagen. Mit blitzenden Augen fixiert die Künstlerin die Zuschauer auf der Galerie. Sie singt gegen das stetige Stimmengemurmel des Laufpublikums an. Äolsröhren erfüllen mit ihrem sirrenden Ton die Luft. Der schwarze Engel erscheint im Aufzug. Eindrucksvoll halten die von Christoph Haas geschwungenen biegsamen Rohre mit der ausdrucksstarken und nuancenreichen Stimme von Stephanie Haas bei "De Angelis" von Hildegard von Bingen Zwiesprache.

"Die Mondnacht" von Joseph von Eichendorff bricht mit ihrem violetten Licht herein. Der Engel friert, während der Wind nicht nur um das Dick, sondern auch aus den Lautsprechern pfeift. "Guten Abend, gute Nacht", zärtlich verabschiedet Haas mit dem "Wiegenlied" von Brahms das begeisterte Publikum.

Sabine Försterling in der Stuttgarter Zeitung vom 29.10.2002


Einer dieser glücklichen Augenblicke, in denen einfach alles "stimmt":
Der Raum, die Musik, die Atmosphäre des Sommerabends auf der Insel im Bodensee ... 
die Hörer öffneten sich dafür; beschenkten uns mit ihrer ungeteilten Aufmerksamkeit -
eine Sternstunde.

Sonntag, 28. Juli 2002, 20.00 Uhr
Insel Reichenau, Sankt Georg: "Lilium":